22.04.2020

Atommülltransporte in Zeiten von Corona ruhen lassen!

Sehr geehrter Herr Landrat,
sehr geehrter Herr Dr. Effing,

während landesweit die Krisenstäbe pausenlos tagen, Krankenhauskapazitäten freigeräumt werden und Bürger*innen das Kontaktverbot ertragen plant der Gronauer Urananreicherer URENCO weitere Atommülltransporte wie den vom 06.04.2020.

Wir möchten Sie deshalb bitten, die Verwaltung anzuweisen, sich bei allen Ordnungsbehörden gegen einen Transport von Uranhexaflourid auszusprechen. Zusätzlich bitten wir Sie, eine öffentliche Stellungnahme herauszugeben in der Sie deutlich Atommülltransporten während der Corona-Krise widersprechen und diese sowohl der Firma URENCO als auch dem Bundesinnenminister Hr. Seehofer übersenden.

Begründung:

Die Corona-Krise hat auch das Münsterland aktuell im Griff. Kontaktverbote bestimmen den Alltag der Menschen. #wirbleibenzuhause ist ein häufig benutzter Hashtag mit der Aufforderung das Haus nur in Notfällen oder für die Arbeit zu verlassen. Die Bundeskanzlerin benennt die Corona-Krise als die größte Herausforderung seit dem zweiten Weltkrieg. In dieser Zeit sollen, angefangen vom Innenministerium bis zur Bundespolizei und den Kreispolizeien Einsatzstäbe mit der Planung der geheimen Atommülltransporte beschäftigt werden. Wir GRÜNE sind uns sicher, dass diese Einsatzkräfte an anderer Stelle dringender benötigt werden.

Da die Transporte grundsätzlich geheim stattfinden werden Feuerwehren, Krankenhäuser etc. über die Transporte nicht informiert. Der Ernstfall wäre eine Freisetzung von Uranhexafluorid, was sich bei Kontakt mit Luftfeuchtigkeit tödliche Flusssäure bildet. Sollte ein Mensch damit in Berührung kommen, muss er sofort intensivmedizinisch versorgt werden. Der letzte Unfall geschah 2010. Ein Mitarbeiter von URENCO verletzte sich und musste durch mehrere Krankenhäuser gereicht werden, da sich die Behandlung niemand zutraute. Selbst das UKM Münster fühlte sich mit der Behandlung einer Person überfordert.

Durch die Geheimhaltung der Transporte mutet URENCO den, aktuell schwer strapazierten, Krisenstäben der Kommunen an der Strecke zu, im Ernstfall völlig überrascht zu werden. In einer Zeit in der jede freie Kapazität für Corona-Notfälle genutzt werden müsste.

Ende März das Bundesinnenministerium den für Anfang April geplanten Castortransport von der WAA Sellafield zum Ex- AKW Biblis abgesagt. Auch, weil das Ministerium eine erhöhte und nicht zu verantwortende Ansteckungsgefahr für die eingesetzten Polizisten sah. Wir halten das für einen klaren Präzedenzfall.

Jedes Unternehmen sieht sich aktuell der Corona-Krise ausgesetzt und muss sich umstellen, anpassen und Kompromisse machen. Uranmülltransporte dienen eindeutig NICHT der Aufrechterhaltung der Wirtschaftsleistung und sind auch NICHT zwingend für den Weiterbetrieb Ihrer UAA.

Deshalb erwarten wir von URENCO ein Umdenken in dieser Zeit. #wirbleibenzuhause sollte auch für deren Atommüll gelten.

Bleiben Sie alle gesund,
mit freundlichen Grüßen,

Elke Schuchtmann-Fehmer und Dr. Jan-Niclas Gesenhues
für die Kreistagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

und

Ines Brehe und Dr. Michael Kösters-Kraft
für den Kreisverband von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

URL:http://www.gruene-kreis-steinfurt.de/news/news-detail/article/atommuelltransporte_in_zeiten_von_corona_ruhen_lassen/