Unkoordinierte Jagd steigert nur Nachwuchsrate

03.11.22

Nutria und Bisam: Grüne fordern nachhaltiges Management statt pauschaler Fangprämie

Kreis Steinfurt.  Ein zielführendes Management von Neozoen an Gewässern und Fließgewässern im Kreis Steinfurt statt einer pauschalen Fang- und Abschussprämie für bestimmte Tierarten fordert jetzt die Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen.

Nutria, auch Sumpfbiber genannt, und Bisamratten sind in freier Wildbahn ungeladene „Gewohnheitsgäste“ mit unliebsamen Nebenwirkungen. Sie gehören als so genannte Neozoen nicht ursprünglich in unsere Landschaft, sind aber seit Jahrzehnten dort heimisch. Und sie sollten aus Sicht der Kreistaggrünen nicht pauschal bekämpft werden. Schließlich füllen sie auch im Kreis Steinfurt an Gewässern und Flussläufen eine ökologische Nische und verursachen nicht nur Schäden.

Eine unkoordinierte Bejagung der Tiere entlaste keineswegs automatisch die kritischen Bereiche, wie Uferbefestigungen, Hochwasserschutzanlagen, Deiche und Wehre, oder besonders sensible Ökosysteme. „Im Gegenteil - eine übermäßige Reduktion des Bestandes führt zu einer stärkeren Reproduktion dieser Tiere“, betonen Maik Wennemer und Jan-Philip Zimmermann für die Fraktion.

Die Verwaltung sollte daher zunächst die Populationen von Bisam und Nutria sowie deren örtliche Verbreitung ermitteln und kritische Bereiche im Kreis benennen, an denen Schäden durch diese Tiere schwerwiegende Konsequenzen hätten, beantragen die Kreisgrünen.

Auf der Basis dieser Daten sei dann ein Management-Konzept zu entwickeln, um diese Tiere von den sensiblen Gebieten gezielt fernzuhalten und bei Bedarf unter Berücksichtigung der rechtlichen Vorgaben zu entfernen. Bei Erfolg dieser Maßnahmen könne die Verwaltung auch die sogenannte „Schwanzprämie“ für Bisam und Nutria auslaufen lassen.

Für ein professionelles und nachhaltiges Wildtiermanagement ist eine Allianz der verschiedenen Akteure notwendig, um gemeinsam die komplexen Herausforderungen beim Umgang mit Wildtieren wie Nutria und Bisam zu meistern. Ein koordiniertes Management mit gezielten Entnahmen in sensiblen Gebieten erzeuge einen anhaltenden Jagddruck, der nach wissenschaftlichen Erkenntnissen mit größerer Wahrscheinlichkeit zur dauerhaften und nachhaltigen Entlastung dieser Gebiete führen kann, als es die unkoordinierte Reduktion im Fahrwasser der „Schwanzprämie“ bislang zu leisten vermochte.